Herbstprogramm der Kurhessenbahn:
Supershow mit Max Maulwurf (Nachtrag)

Am 11. Oktober hatte ich um 18:40 Uhr an verschiedene Mitglieder, deren eMail-Adressen mir bekannt waren, eine aktuelle Information zum Stand der Bauarbeiten geschickt:

Guten Tag zusammen, die Brücke westlich von Fürstenwald wird wohl derzeit an ihre endgültige Position geschoben. Die neue Brücke zwischen Fürstenwald und Weimar soll morgen nachmittag eingeschoben werden (ob das zeitlich klappt? Heute nachmittag war noch viel abzureißen).
Beste Grüße
Ullrich


Diese Informationen gingen auf einen Nachmittagsausflug zurück, den ich mit meiner Frau an diesem Nachmittag gemacht hatte. Zunächst sind wir mit dem Auto zum Bahnhof Fürstenwald gefahren und an den bekannten Vulkanschloten vorbei zur westlichen Brückenbaustelle gegangen. Wir fanden folgende Situation vor:

In der Lücke des Bahndamms ist die spätere Aufsetzfläche für die neue Brücke planiert. Links und rechts dieser Fläche sind die Gleitbahnen für den Brückenverschub montiert. Ein Mitarbeiter der Firma, der – wie sich später herausstellte - die Verschiebung durchführen sollte, war kurz zuvor eingetroffen. Er hat mir nicht nur den groben Zeitpunkt für die Brückenbewegung genannt, sondern mit auch den Ablauf dahingehend erläutert, dass zunächst die Brücke verschoben wird und man erst nach der Demontage der Gleitbahn die Verschalung für die Betonfundamente errichten und mit Beton ausfüllen werde.

Das obige Bild zeigt die Brücke kurz vor dem Verschubbeginn. Die Hebegeräte im Widerlagerbereich sind montiert und „verschlaucht“, das zugehörige Steuergerät befindet sich in der Brückendurchfahrt unter der orangen Plane. Rechts ist die spätere Sandfläche zu sehen. An der zweiten Brückenbaustelle wurden zu dieser Zeit noch die Widerlager abgebrochen. Am daraufffolgenden Dienstag bin ich per Velo wieder zur Baustelle gefahren in der Erwartung, dass die Brücke an ihrer Endposition stehen würde. Und sie tat es:

Die Rohre vor den Widerlagern stehen vermutlich im Zusammenhang mit der Einfüllung des Betons für die Fundamente unter den Widerlagern. Auf dem Rückweg bin ich dann zur zweiten Baustelle, der Bahnüberführung zwischen Fürstenwald und Weimar gefahren. Wie ich schon in meiner eMail befürchtet hatte, war der Verschub nicht schon am vorangehenden Tag durchgeführt worden, denn ...

Aufnahme: 13. Oktober 2020, 9:15 Uhr


Aufnahme: 13. Oktober 2020, 10:07 Uhr

… sie bewegt sich noch, wie man im Vergleich mit den beiden ortsfesten Bundesbahnern in den orangenen Jacken erkennt. Das davor stehende Pack mit den feste eingebauten Stickstoffbomben (pardon: Laborjargon, sollte natürlich Stickstoff-Druckgasflaschen heißen, Nenndruck: 200 bar) ist als Reserve zu sehen, denn …

...die gesamte Brücke schwebt auf vier Stickstoffkissen (unter den orangenen Tellern). Die beiden sichtbaren Stempel (von insgesamt vier Stück) haben die Brücke lediglich soweit angehoben, dass die Bodenplatte frei schwebt. Die schrägen Hydraulikzylindern – ein Gegenstück befindet sich unter dem anderen Widerlager – stützen sich auf zwei Pratzen ab. Letztere halten sich mit stickstoffbetätigten Klammern an den beiden Führungsschienen neben der Gleitbahn fest. Im obigen Bild haben die Hydraulikzylinder schon fast den maximalen Auszug erreicht. In Kürze wird ihre Stickstoffversorgung abgestellt werden, so daß der Vorschub aufhört, die Klammern an den Pratzen werden gelöst, die Hydraulikzylinder eingezogen und dann die Klammern wieder befestigt. Anschließend wird der Vorschub wieder aufgenommen werden. Das nächste Bild (aufgenommen um 10:31 Uhr) zweigt die Brücke, wie sie (fast) in der Endlage angekommen ist:

Der Herr unten am Widerlager, der die gesamt Verschiebung gefahren hat – das Steuergerät ist vor ihm zu erkennen – nimmt noch gerade einige Korrekturen vor, bevor eine kurze Arbeitspause eingelegt sind, während der bzw. nach der die Vermessungsarbeiter, von denen einer auf der Brücke steht, die Daten für die genaue Positionierung der Brücke ermitteln.

Mittlerweile ist Bahnstrecke nach Korbach und somit auch die Brücken schon mehrere Wochen wieder in Betrieb.
Ullrich Huckfeldt (Text und Bilder)
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Letzte Änderung:14.11.2020